Die Geschichte des Wallfahrtswesens

Maria-Vesperbild (mal) - Einmal im Jahr steht Maria Vesperbild ganz im Zeichen edlen Rittertums. Die Ritter des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem der Komturei St. Ulrich und Afra in Augsburg pilgerten zum 15. Mal nach Maria Vesperbild. Dem Äußeren nach fühlt man sich in das Mittelalter zurückversetzt.

Die Geschichte des Wallfahrtswesens ist eine Geschichte des Laien. Laien waren in der Regel Träger, Organisatoren und Führer von kleinen und größeren Wallfahrten. Sie können in Gemeinschaft oder allein stattfinden und sind nicht an bestimmte Verkehrsmittel gebunden. Auch gehört eine gewisse Ungebundenheit zur Wallfahrt.

Im Verlaufe der Kirchengeschichte haben sich vielerlei Wallfahrtsziele herausgebildet; unter ihnen nehmen die marianischen Wallfahrten einen ganz besonderen Platz ein. Sie alle sind - ein jeder auf seine eigene Weise - lebendige Zeugnisse der gefühlten Nähe Mariens. In den verschiedenen Stationen ihres Lebens hat Maria jeweils für unser Leben eine konkrete Bedeutung.

Das Gnadenbild in der Wallfahrtskirche Maria Vesperbild vergegenwärtigt die wohl schwierigste Situation im Leben Mariens: den Abend des Karfreitags, näherhin den Moment nach der Kreuzesabnahme, in dem Maria den Leichnam ihres Sohnes im Arm hält. Dieses Bild ist der Anfang der Wallfahrt im 17. Jahrhundert, und es ist durch die Jahrhunderte hindurch ihr Ziel geblieben.

Am Anfang der Wallfahrt steht keine Erscheinung und kein wunderbares Ereignis, sondern eine schlichte Stiftung aus Dankbarkeit. Gerade die Wallfahrt Maria Vesperbild ist nicht von einer weltlichen oder geistlichen Obrigkeit gegründet, eingerichtet oder geplant worden, sondern durch das gläubige Volk geschaffen und gewachsen: sozusagen eine Wallfahrt von unten.

 

Die Geschichte des Wallfahrtswesens kennt die Aufstellung von Kopien eines bestimmten Gnadenbildes an einem anderen Ort, der dadurch dann selbst zum Wallfahrtsort wird. Einen ähnlichen Vorgang gab es in Maria Vesperbild, als 1958 auf einer Lichtung im nahegelegenen Wald eine Holzfigur unserer lieben Frau von Fatima aufgestellt wurde. Diese Figur fand sofort überwältigende Akzeptanz bei den Wallfahrern. Zahlreiche, schlichte Votivtafeln an der Grotte künden davon, dass hier immer mehr Menschen eine ganz besondere Erfahrung der helfenden Nähe Mariens machen dürfen.