"Lassen wir's krachen zum Lobe des Herrn"

Maria Vesperbild (nelp) - 18 Böllergruppen aus dem gesamten bayerisch-schwäbischen Raum mit insgesamt 215 Teilnehmern waren angereist, um sich in Maria Vesperbild zu einem gemeinsamen Wallfahrtsgottesdienst mit anschließendem Platzschießen zu treffen.

Es war die erste schwäbische Wallfahrt dieser Art. Prächtige Fahnen und ehrwürdige Trachten, darunter die königlich Privilegierten mit Gehrock und Dreispitz, bestimmten am Sonntagmorgen das Bild in dem schwäbischen Wallfahrtsort.

 

Edle Schnallen an den Hüten der Herren und Federn bei den Damen veranlassten Wallfahrtsdirektor Dr. Wilhelm Imkamp zum kalauern. "Die Männer müssen Schnallen ertragen und Federn lassen", scherzte er von der Kanzel, bevor es ernst wurde. "Wenn wir als Kirche und Gläubige heute unter etwas leiden, dann daran, dass wir es nicht mehr krachen lassen.

 

Wir säuseln", bedauerte Prälat Dr. Wilhelm Imkamp in seiner Predigt. Die Kirche sollte den Mut haben, "kracherter" zu sein, forderte er, und wies gleichzeitig darauf hin, dass das Schwarzpulver von dem mittelalterlichen Domherrn, Franziskanermönch und Alchimisten Berthold Schwarz erfunden wurde. Über Jahrhunderte sei es außerdem in der Kirche der Brauch gewesen, während der Wandlung statt des heute üblichen Glöckchengebimmels, Böllerschüsse abzugeben.

 

 

"Heute wird in meiner Branche kein Pulver mehr erfunden. Das ist bedauerlich", äußerte sich der Prälat, hieß damit die Böllerschützen umso mehr willkommen und lud sie ein, sich "in der Kirche zu Hause zu fühlen". "Lassen Sie es krachen und ich krache mit Ihnen", gab Imkamp den Böllerschützen abschließend mit auf den Weg. Während die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes die Musikkapelle Oberneufnach übernahm, wurde der Pilgerzug zur Lichtung vor der Mariengrotte von der Musikkapelle Memmenhausen begleitet.

 

 

Dort nahmen jeweils zwei Schützen aus jeder der 18 Gruppen Aufstellung, um auf das Kommando "Laden - Hütchen setzen - Böller hoch - Feuer" von Landesböllerreferent Werner Kammermeier hin, dreimal ohrenbetäubend "Salut" zu schießen. Die Wallfahrt soll laut Organisator, Böllerreferent Dirk-Alexander Kogel, in Zukunft einmal jährlich stattfinden. Nächstes Jahr ist zusätzlich noch eine Wallfahrt nach Rom mit Papstaudienz geplant. Die Böller müssen allerdings, wegen der strengen Einfuhrbestimmungen, zu Hause bleiben.